Separate Prozesse in Firefox
Die 5. Beta von Firefox 3.6 ist erst gestern erschienen, aber schon seit längerem arbeitet man bei Mozilla an der nächsten Firefox-Version, derzeit 3.7 genannt. Eines der ehrgeizigsten Vorhaben für Version 3.7 Projekt Electrolysis. Dabei geht es darum, die einzelnen Inhalte im Browser in jeweils eigene Prozesse aufzuspalten: die Browseroberfläche, Plugins und Internetseiten. Ziel ist es, von der Verbreitung der Mehrkernprozessoren zu profitieren und Plugins und Internetseiten davon abzuhalten, den Browser zu verlangsamen oder abstürzen zu lassen.
Das ganze Projekt ist nicht ohne Risiko, Firefox ist derzeit einer der schnellsten Browser auf dem Markt und verbraucht seit Version 3.0 weniger Arbeitsspeicher als alle anderen Browser. Deswegen kann er auch mit wenigen Modifikationen problemlos auf einem Smartphone verwendet werden. Einzelne Prozesse bedeuten aber in jedem Fall einen Overhead, deswegen verbraucht Chrome derart viel Speicher, und das in den Griff zu kriegen, ist keine leichte Aufgabe.
Da Firefox zudem auf gewachsene Strukturen aufbaut, ist das ein gewaltiges Vorhaben und nicht in kurzer Zeit oder in einem Schritt zu haben. Die erste Phase, die die prinzipielle Machbarkeit aufzeigen sollte, wurde am 15. Juli abgeschlossen. Jetzt berichtet Benjamin Smedberg, der Leiter des Projekts, dass ein weiterer Meilenstein genommen wurde: Die Funktion, dass Plugins in separaten Prozessen laufen, wurde in den Hauptentwicklungszweig eingecheckt. Das bedeutet, alle Nightlies (Windows/Linux) können standardmäßig Flash in einem separaten Prozess darstellen und wenn mal wieder das Flash-Plugin abstürzt, bleibt der Browser unbeeindruckt davon. Wer mithelfen möchte, die Funktion zu testen, kann sich einfach eine aktuelle Nightly herunterladen und Fehler in Bugzilla melden, der Tracking-Bug ist bugzilla.mozilla.org/showdependencytree.cgi.
Einige mögen jetzt abwinken, weil Chrome das ja schon längst ermöglicht, aber Firefox ist grundsätzlich eine ganz andere Kategorie. Zunächst hat auch Google diese Funktion und sogar den ganzen Browser nur für Windows angeboten, zudem fehlte Chrome die Möglichkeit, Erweiterungen zu installieren und schließlich war Chrome ein ganz neuer Browser, bei dem man keinerlei Rücksicht auf Rückwärtskompatibilität nehmen musste. Firefox wird für Windows, Mac und Linux angeboten, darauf zu verzichten, ist keine Option. Für Firefox gibt es über 6000 Add-ons, darauf zu verzichten, ist ebenfalls keine Option, und Firefox hat über 330.000.000 Anwender auf allen möglichen Plattformen. Jede Veränderung birgt das Risiko, User außen vor zu lassen, und Projekt Electrolysis ist eine große Veränderung. Nur zum Vergleich: Wenn Firefox 10% seiner User vergrault, sind das 33 Mio. Anwender; etwas weniger als Chrome derzeit insgesamt an Anwendern hat.
Ziel bei Mozilla ist es, die normale Browser-Entwicklung voranzutreiben und dieses gigantische Projekt quasi parallel, out of process, zu entwickeln. Dass die Rechnung aufgeht, zeigt das kurz bevorstehende Release von Firefox 3.6 und jetzt die Nachricht von Benjamin Smedberg. Gute Zeiten für Firefox-Anwender.

Kommentare
Das ist ganz gut - besten
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naja. das ist mir persönlich
naja. das ist mir persönlich etwas zu viel lobhudelei in favour of firefox. Mal ehrlich: FF verbraucht seit 3.0 immer weniger Speicher??? Das ist mir neu und konnte ich auch noch noch nicht reproduzieren.
Chrome verbraucht dagegen viel speicher?? Auch das habe ich noch nicht beobachten können. Und sollte Chrome auf irgendeinem System mehr als üblich brauchen, dann anerkenne ich das aufgrund des absoluten Entwicklungsstatuses (egal ob stable, beta oder dev - die sind alle im Entwicklungsstadium).
Nur zur Info: ich war lange Zeit FF User (seit Ende 2002), aber seit Chrome 0.2 bin ich einzig und alleine Chrome User! Und ich weine dem FF an sich (höchstens den Addons) keine Träne nach. Mozilla hatte schon lange keine innovativen und wirklich praktischen Ideen - Google dagegen haut die Ideen nur so raus (getrennte Prozesse, Sandboxing, beste technologien auf dem markt (webkit, v8), Extensions ohne neustart usw).
Und noch ein Beispiel: an FF hatte ich dauernd das Bedürfnis etwas zu ändern (sei es die GUI, sei es about:config etc.) - mit Chrome habe ich dieses Bedürfnis bis dato noch nicht verspürt (ich liebe die GUI, das Theme, die flüssigen Animationen usw)
Chrome verbraucht
Chrome verbraucht prinzipbedingt erheblich mehr Speicher als Firefox, denn die Prozesse können den Speicher nicht teilen. Und Firefox hat mit jeder Version weniger Speicher verbraucht: Hier ein ausführlicher und neutraler Benchmark, wo Chrome 5 mal soviel RAM verbraucht wie Firefox: http://dotnetperls.com/chrome-memory
Wenn du mit Chrome glücklich bist, ist das schön. Aber schön wäre auch ein bisschen Dankbarkeit Mozilla gegenüber. Ohne Firefox könntest du heute keinen Chrome verwenden, weil alle Seiten immer noch für IE optimiert wären und du für jede 2. Seite den IE starten müsstest. Mozilla war die letzten Jahre damit beschäftigt, diesen gigantischen Nachteil auszugleichen. Dass du daran offenbar gar nicht mehr denkst, zeigt, dass Mozilla erfolgreich war.
Ideenarmut kann man Mozilla auch nicht bescheinigen. Schnelles Javascript kam als erstes von Firefox, die Umsetzung des privaten Modus ist auch einmalig. Ansonsten konzentriert man sich bei Mozilla eben auf die grundlegenden Features der Plattform wie HTML5: Open-Video gab es zuerst bei Firefox, WebGL ist eine Mozilla-Erfindung. Neue Funktionen dagegen sind alle per Erweiterung nachrüstbar, praktisch für jedes Feature in einem anderen Browser gibt es eine entsprechende Erweiterung für Firefox. Das kann derzeit auch Chrome mit der beschränkten Erweiterbarkeit nicht leisten.
Wie auch immer: Konkurrenz tut gut und schließlich ist es das erklärte Ziel der Mozilla-Stiftung, für Konkurrenz im Internet zu sorgen und nicht, den höchsten Marktanteil zu erringen. Wer Google unterstützten möchte, möge das tun. Ich dagegen kann mich mit einer gemeinnützigen Stiftung eher identifizieren als mit einem Unternehmen, das von meinen Daten lebt.
Zum Speicherverbrauch:
Zum Speicherverbrauch: http://goo.gl/xhCy - wenn du hier etwas runterscrollst siehst du einen Screenshot vom Taskmanger wo FF flotte 1,3GB braucht... naja. Dieses Phänomen habe ich mit Chrome auch nach 2 Wochen Betrieb noch nicht beobachten können. Dazu ein Wort zur Architektur: sollte Chrome tatsächlich mehr Speicher brauchen ist das aber als Ausgleich für die dadurch erhaltene Stabilität und das Sandboxing zu verstehen. Was FF ja (noch) nicht hat.
Und nur um das richtig zu stellen: ich war immer und bin noch ein großer Fan von Mozilla und natürlich wäre das Web ohne FF heute nicht da wo es ist. (Dazu http://goo.gl/CNDe etwas weiter unten - FF 3.5 überholt IE 7 weltweit)
Was an der Umsetzung des privaten Modus einmalig ist, kann ich aber nicht nachvollziehen. Immerhin kam Chrome als erster mit der Idee an und diese wurde dann gleich von MS und Mozilla adaptiert da die neuen Versionen zu diesem Zeitpunkt in der Endphase waren. Wie auch immer - der PM ist ja kein außergewöhnliches Highlight...
Sollte FF 4.0 in dieser Form kommen http://goo.gl/ATqh dann hätte ich aber wieder Interesse. Mal schauen.
Zum Thema Objektivität: Wenn du schonmal Chrome und FF parallel getestet hast, musst du doch auch ehrlich zugeben dass FF Chrome in Sachen Geschwindigkeit (Surfen und Starten) als auch in Sachen "Leichtgängigkeit" des UI nicht das Wasser reichen kann.
Der Speicherverbrauch hat
Der Speicherverbrauch hat nichts mit Sandboxing zu tun, sondern damit, dass Chrome für jeden Tab einen eigenen Prozess startet. Prozesse können aber keinen Speicher teilen, weshalb jeder Tab wie ein eigenes Programm Speicher verbraucht. Im Benchmark ist sehr schön zu sehen, wie der Speicherverbrauch von Chrome teilweise dreimal so hoch ist wie bei Firefox.
Zum Thema Objektivität: Ich benutze Mac OS und hier ist Chrome praktisch unbrauchbar, nicht nur fehlen Add-ons, sondern auch die einzelnen Prozesse und besonders schnell scheint er mir auch nicht zu sein. Aber gut, ist ja auch erst eine Beta.
Ich will gar nicht wissen,
Ich will gar nicht wissen, was die mit FF angestellt haben, dass der so viel verbraucht, denn das ist ganz und gar nicht normal.
@ Monzta: ganz einfach: über
@ Monzta: ganz einfach: über einen längeren Zeitraum offen gelassen (also nicht geschlossen oder neu gestartet).
passend dazu aus der Quelle von Abdulkadir: http://goo.gl/hwqI Chrome 4 gegen FF 3.6 - klarer Sieger Chrome!
Wie auch immer:
Wie auch immer: http://goo.gl/OZup - Opera 10.5 verbläst in ersten Tests alles. Plus: 10.5 setzt bereits Mozillas Design Ideen um (anscheinend hat MS da mit dem Ribbon UI wieder einen Quasi-Standard geschaffen...)
Da steht aber was von 5
Da steht aber was von 5 Minuten nach dem Öffnen von FF und nichts von einem längeren Zeitraum.