Zitat von boardraiderMir persönlich wird ganz anders, wenn ich stellenweise das Treiben auf und mit der Plattform verfolge. Das hat nichts mehr mit sorgfältigem Journalismus zu tun. ...
Ich gebe Dir mit dieser Aussage und auch mit dem Rest Deines Postings zu 100% Recht. Wer als Journalist mit Twitterrufen nicht genauso sorgfältig umgeht wie mit Berichten anderen Augenzeugenberichten als Reporter vor Ort, welche er dann gefiltert seiner Agentur oder seinem Sender anbietet, liefert schlampige Arbeit ab und beherrscht sein Fach nicht. Verantwortung für eine sorgfältige Recherche liegt beim Journalist, bei der Agentur, beim Sender, und nicht beim Augenzeugen, weder bei einem vor Ort, den ein Reporter körperlich vor sich hat, noch bei dem digitalen Augenzeugen auf Twitter.
Twitterer sind per Definition keine Journalisten, sondern Augenzeugen, die das wiedergeben, was sie gesehen oder gehört oder gelesen haben! Der "schwarze Peter" liegt also eindeutig bei demjenigen, der Twitterufe ungeprüft in anderen Medien weitergibt, und nicht beim Twitterer selbst.
Beispiel: wir wissen inzwischen, daß viele Twitterer aus dem Iran Sicherheitsbeamte sind und mit einem fake-account sich unter das Twittervolk mischen, wie Sicherheitsbeamte in Zivil bei Demonstrationen. Wer jetzt aus dem Iran twittert mit einem Account ohne history, also mit einem erst in dieser Woche angemachten Account, muss (!) als seriöse Quelle für die sekundäre Berichterstattung in anderen Medien ausscheiden, auch handelt es sich vielleicht doch um einen einfachen Bürger. Dies ist der Job der Journalisten, Glaubwürdigkeit von Quellen zu beurteilen. Davor werden sie bezahlt. Abschreiben kann jeder.
Zitat von bugcatcherDas ist schön. Ich will es aber trotzdem vorher aufbereitet und zusammengefasst haben.
Abgesehen von persönlicher Betroffenheit, die mein besonderes Interesse an Iran schürt (meine Schwägerin ist seinerzeit vor der Diktatur der Ayatollahs geflüchtet), ist dies für mich eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Quelle "Twitter" zu testen und die öffentliche Meinung auf Twitter mit der veröffentlichten Meinung von Agenturen und Sendern zu vergleichen. Ich will an diesem konkreten Fall schon wissen, was in unserer freien Presse veröffentlicht wird, und noch mehr will ich wissen, was nicht veröffentlicht wird!