Knapp 24 h nach dem Vorfall werden Details bekannt. Um die Dramatik näher zu bringen, übertrage ich das Geschehen fiktiv auf Deutsche Verhältnisse (Hamburg statt Hilversum, ARD, ZDF und NDR statt NPO 1, 2 und 3). Es liest sich wie ein Drehbuch zu einem Krimi.
Um 19:45 betritt ein junger Mann im schwarzen Anzug, weißem Hemd und Krawatte den Empfang des NDR-Gebäude in Hamburg. (In diesem Gebäude sind beheimatet: alle Studios, Regieräume und Server der ARD und de NDR, sowie die Server des ZDF). Der Mann zeigt dem anwesenden Sicherheitsbeamten wortlos einen Brief, darin steht:
Zitat"Wenn Sie dies lesen, geraten Sie nicht in Panik. Schreien Sie nicht, warnen Sie niemanden.Verhalten Sie sich ganz normal. Ich bin bewaffnet (inzwischen hat der Mann eine Pistole mit Schalldämpfer aus seinem Jackett gezogen). Wenn Sie gut mitarbeiten, tue ich Ihnen nichts. Ich bin nicht allein. ... Wir sind hier 5 und im Land 98 andere. Wir haben Sprengstoff deponiert. Bringen Sie mich zum Regieraum der Tagesschau. Tun Sie das nicht, erschieße ich Sie. Das wollen Sie doch nicht, oder? "
Um 19:50 erreicht der Mann in Begleitung des Sicherheitsbeamten und unter Umgehung von 6 Sicherheitsschleusen, den Regieraum der Tagesschau von 20 Uhr. Anwesend der Regisseur und zwei Techniker. Er überreicht, den Brief und verlangt, für 10 Minuten Redezeit ins Studio gebracht zu werden, wo der Nachrichtensprecher zu diesem Zeitpunkt mit dem Hauptstadtkorrespondenten der ARD in Berlin eine Sendebeitrag bespricht. Der Sicherheitsbeamte schlägt Studio 8 vor, wohl wissend, das dies das Studio für die Vormittagssendungen der Tagesschau ist und zu diesem Zeitpunkt leer steht. Der Regisseur willigt ein, und der Eindringling und der Sicherheitsbeamte gehen zu dem schalldichten Studio. Der Techniker aktiviert Kameras und Mikrophone des leeren Studios. Kaum in diesem Studio angekommen löst der Regisseur den Alarmknopf für Evakuierung aus und weist den Nachrichtensprecher und den Kameramann im Tagesschaustudio an, das Studio zu verlassen. "Ist das ein Witz?" fragt dieser noch? "Nein, hier läuft einer mit 'ner Pistole rum." Anschließend ruft der Regisseur über sein Handy 112 an. Eine Minute vor der Beginn der Tagesschau holt der Techniker auf Anweisung des Regisseur die ARD aus dem Äther, ein Bild mit "Tagesschau - Störung" erscheint im ganz Deutschland auf den Mattscheiben.
Dann überschlagen sich die Ereignisse. Da nach der Evakuierung des Gebäudes auch die technischen Sendezentralen verwaist sind, fallen nach der Tagesschau nacheinander auch ZDF, NDR und diverse Radioprogramme aus. Schwarzer Bildschirm beim ZDF und kein Ton auf vielen Radiostationen. Inzwischen ist ein Twittersturm unter #ARD und #Tagesschau entstanden mit dem wildesten Vermutungen mit Bezug auf den Überfall auf Journalisten in Paris. Der Begriff "terroristischer Anschlag" wurde kurz nach acht auf Twitter geboren, da ARD und ZDF rund 20 Uhr gleichzeitig vom Äther gingen.
Ein speziell für einen Überfall auf die Sendezentrale ausgebildetes Team von 8 Polizisten, die ihr Quartier in der Nähe der Sendezentrale haben und mit den Örtlichkeiten vertraut ist, erreicht um 20:10, ca. 15 Minuten nach dem Notruf, den Regieraum und sah über die laufenden Kamera's live die Szenen, die um die Welt gingen. Der Befehlshabende konstatierte innerhalb kürzester Zeit, dass es um einen verwirrten Mann geht, befahl dem Sicherheitsbeamten im Studio über Kopfhörer, sich ganz langsam und mit dem Eindringling redend zum Ausgang zu begeben und auf Kommando die Tür zu öffnen. Den Rest kennt Ihr. Eine halbe Stunden nach dem Betreten des Eindringlings in das Sendegebäude war der Spuk vorbei. Auf Twitter und in unseren Köpfen ging er allerdings etwas länger weiter, da wir nicht wussten, dass um 20:15 die Gefahr vorbei war.
Ein Großaufgebot der Polizei durchkämmte nämlich anschließend das evakuierte Gebäude bis zur letzten Besenkammer nach Sprengstoff. Um 20:30 wurden die Studios vom ZDF in Mainz über eine Notleitung via Luxemburg wieder an ihr ganz normales Programm angeschlossen. Ab 21 Uhr ging das Hauptstadtstudio der ARD in Berlin über die gleiche Notleitung auf Sendung, ARD war provisorisch wieder auf dem Sender mit einer one-man-show des Hauptstadtkorrespondenten. Um 22:30 wurde das evakuierte Gebäude freigegeben, zwischen 23 und 24h wurden die Notleitung aufgehoben und haben alle Sender ihren (technischen) Normalbetrieb wieder aufgenommen.
Der Täter: ein 19 jähriger Chemiestudent aus Delft. Einzeltäter. Motive ? Noch nicht bekannt.