Mozilla hat heute die erste Aurora-Version von Firefox 13 zum Download freigegeben. Die neue Version bringt wieder eine Vielzahl von Verbesserungen.
Verbesserungen der Benutzeroberfläche
Zwei Dinge fallen einem sofort ins Auge, wenn man Firefox 13 zum ersten mal benutzt – die neue about:home-Startseite sowie die neue Seite, welche beim Öffnen eines leeren Tabs erscheint. about:home wurde optisch verschönert und bietet neben der Möglichkeit die letzte Sitzung wiederherzustellen außerdem zentralen Zugriff auf Lesezeichen, Chronik, Einstellungen, Add-ons, Downloads sowie Sync. In Zukunft wird man hierüber auch schnellen Zugriff auf seine Apps erhalten.
Beim Öffnen eines neuen Tabs erscheint ein sogenanntes Speed Dial. Das ist eine Schnellwahl, welche es erlaubt, schnell auf seine am häufigsten besuchten Webseiten zu kommen. Dabei können einzelne Seiten auch aus der Auswahl entfernt oder angepinnt und die Seiten per Drag and Drop sortiert werden. Dieses Feature wurde bereits versteckt in Firefox 12 implementiert, ist ab dieser Version aber standardmäßig aktiviert und wurde optisch stark verbessert.
Bekanntermaßen arbeitet Mozilla an einem neuen auf den Namen Australis hörenden Design für Firefox, hier sind die ersten Veränderungen für Windows bereits eingeflossen. Dabei handelt es sich noch um relativ kleine Änderungen wie eine veränderte Darstellung der Buttons in den Toolbars. Das Öffnen neuer Fenster in Mac OS X 10.7 Lion wird jetzt genau wie bei anderen Programmen auf Apples Betriebssystem animiert. Weitere optische Verbesserungen haben die Dynamischen Lesezeichen erhalten. Gelesene Artikel erhalten dabei ein richtiges Icon anstelle des Favicons der Seite, ungelesene Artikel erhalten ein dazu passendes, ebenso neues Icon.
Verbesserte Performance
Die dynamischen Lesezeichen wurden nicht nur optisch verbessert, sondern wurden auch in Hinblick auf die Performance des Browsers überarbeitet. Auf Windows gab es diverse Änderungen, welche zu einer verbesserten Startzeit des Browsers beitragen sollen. Hier sind für die Zukunft noch einige weitere Verbesserungen zu erwarten. Generell gibt es mit Firefox 13 einige Verbesserungen, welche die reale, aber auch die gefühlte Geschwindigkeit von Firefox verbessern, was bei Mozilla unter dem Projekt Snappy läuft. Beispielsweise flackert beim Neuladen einer Seite im Tabtitel kein “Verbinden…” mehr kurz auf. Ebenso zu einer verbesserten gefühlten Performance dürfte die Integration von Teilen des Smoothwheel-Algorithmus machen, welcher das Scrolling in Firefox verbessert. Die Basis hierfür bildet die Erweiterung von Avi Halachmi. Dabei sei ebenfalls erwähnt, dass die Scrollbar-Buttons und Tastatur-Tasten nun eine konsistente Distanz zurücklegen und diese dabei bei den Tastatur-Tasten von zwei auf drei Zeilen erhöht wurde. Über den about:config-Schalter toolkit.scrollbox.verticalScrollDistance kann die Distanz beliebig angepasst werden.
Seit einigen Versionen bietet Firefox die Option, Tabs beim Start on-demand zu laden, sprich erst, wenn die Seiten in den Vordergrund geholt werden. Diese Einstellung ist ab Firefox 13 Standard, was zu einer verbesserten Reaktionsfähigkeit bei Programmstart beitragen dürfte. Über Einstellungen > Allgemein kann dieses Verhalten in der Start-Sektion deaktiviert werden.
Plugins wie Flash benutzen mit dem Plugin-Container einen eigenen Prozess. Bleibt dieser länger als drei Minuten ungenutzt, wird er nun beendet. Bislang blieb der Prozess bestehen. Firefox verfügt über ein sogenanntes Safebrowsing-Backend. Dieses ist dafür verantwortlich, dass Firefox anhand von Daten, welche Google bereitstellt, eine Warnmeldung anzeigt, wenn die besuchte Seite als betrügerisch beziehungsweise attackierend eingestuft wird. Die dahinterliegende Datenbank wurde durch ein Flat-File ersetzt, was den Speicherbedarf von rund 50MB auf etwa 5MB reduziert und die IO-Performance erhöht.
Wer gerne einen tieferen technischen Einblick in seine Firefox-Sitzung erhält, bekommt mit der neuen about:compartments-Seite ein Werkzeug, welches ergänzend zu about:memory alle sogenannten Compartments auflistet.
Verbesserter Umgang mit dem Benutzerprofil
Unter diesem Titel fasse ich diesen Abschnitt einmal zusammen. Nach der Installation einer inkompatiblen Erweiterung kann es theoretisch dazu kommen, dass Firefox direkt beim Start abstürzt. Passiert dies innerhalb von sechs Stunden öfter als ein festgelegter Wert (Standard: 2) bietet Firefox nun beim nächsten Start an, im sogenannten Safe Mode ohne Erweiterungen zu starten. Dieser Dialog erscheint nur bei Programmstart, bei Abstürzen mitten im Programmablauf erscheint weiter das Session Restore-Feature an dieser Stelle, um die letzte Sitzung wiederherstellen zu können. Der angesprochene Wert kann über den Schalter browser.startup.max_resumed_crashes verändert werden. Ein schon etwas häufigeres Problem ist das sogenannte Such Hijacking. Drittprogramme verändern immer öfter den Schalter keyword.url ohne das Wissen des Benutzers, um Suchanfragen über die Adressleiste an andere Suchmaschinen umzuleiten. Firefox 13 erkennt das und bietet dann an, die Suche wieder auf die Standardsuche umzustellen.
Die dritte Neuerung, die für mich in diesen Bereich fällt, ist die Möglichkeit, das Profil direkt über about:support zurücksetzen zu können. Das Anlegen eines neuen Profils mit anschließender Migration der wichtigsten Daten ist eine häufige Lösung bei Problemen mit Firefox und dieses neue Feature erleichtert das sehr.
Weitere nennenswerte Verbesserungen
Firefox 12 hatte noch ein weiteres verstecktes Feature, nämlich ein Inline-Autocomplete in der Adressleiste. Das meint, dass bei der Eingabe eines Wortes in diese eine Autovervollständigung auf die am wahrscheinlichsten passende Hauptdomain durchgeführt wird, ähnliches kennt man von Google Chrome. Da die Autovervollständigung nur auf Hauptdomains durchgeführt wird, entspricht dies in aller Regel nicht dem ersten Eintrag aus der Liste der URL-Vorschläge. Dieses Feature ist nun per Standard aktiviert. Da dies eine der wenigen Firefox-Neuerungen ist, welche mir so gar nicht zusagt, an dieser Stelle der Hinweis, wie man dieses neue Verhalten deaktivieren kann. Dazu muss über about:config der Schalter browser.urlbar.autoFill auf false gesetzt werden.
Unter Einstellungen > Datenschutz gab es bislang eine Option “Download-Chronik speichern”, diese gibt es in dieser Form nicht mehr, dafür fällt die Option “Besuchte Seiten und Downloads speichern” auf. Der Grund für die Zusammenlegung ist der, dass seit Einführung der Downloads in der Bibliothek die alte Einstellung irreführend geworden ist, da das Speichern der Download-Einträge mit der Chronik zusammenhängt und die andere Einstellung sich auf das Löschen der Einträge aus dem Download-Fenster bezogen hatte. Eine weitere Neuerung gibt es für Nutzer von Windows 7 und Gnome; Bei Rechtsklick auf eine Grafik > Als Hintergrundbild einrichten gibt es zusätzlich zu den bisherigen Möglichkeiten nun auch noch Gefüllt und Angepasst, wie man es von Betriebssystem-Ebene her bereits kennt.
Schließlich sei noch eine Neuerung genannt, welche die Sicherheit des Browsers verbessern soll. Address Space Layout Randomization (ASLR) soll die Ausnutzung von Sicherheitslücken in Software erschweren. Firefox nutzt dieses Feature längst in den eigenen Komponenten. Erweiterungen, welche ihre eigenen XPCOM-Komponenten mitbringen, mussten dies bislang aber nicht. Ab Firefox 13 ist es auch für solche Erweiterungen zwingend erforderlich, ASLR in den eigenen Binärkomponenten aktiviert zu haben.
Verbesserte Entwickler-Werkzeuge
In Firefox 13 gibt es auch wieder viele Neuerungen, welche das Herz des Webentwicklers höher schlagen lassen. Eine davon betrifft die Quelltextansicht. Per Rechtsklick auf einen Link kann die jeweilige URL in die Zwischenablage kopiert werden – eine kleine Verbesserung, welche ich persönlich seit Jahren vermisst habe. Welche der verschiedenen Entwickler-Werkzeuge beim letzten Benutzen des Inspectors (Strg + Shift + I) offen waren, merkt sich Firefox nun. In der dort zu findenden HTML-Ansicht können per Rechtsklick auf ein DOM-Element diese auch gelöscht oder kopiert (innerHTML bzw. outerHTML) werden. Auch ist es über das Kontextmenü des gerade selektierten Elements möglich, neben dem normalen auch den Active-, Focus- oder Hover-Status im Style-Panel zu inspizieren. Dieses hat auch Verbesserungen erhalten, so zeigt die Regeln-Ansicht nun an, wenn ungültige Werte eingegeben werden und ein Klick auf den Namen der CSS-Datei öffnet diese im CSS Editor.
Außerdem ist es im Style Panel jetzt auch möglich, die CSS-Regeln herauszukopieren. Die 3D-Ansicht (Tilt) ist mittels der Taste F außerdem in der Lage, ein ausgewähltes Element zu fokussieren. Ebenso hat das JavaScript-Scratchpad (Shift + F4) Verbesserungen erhalten, so kann nun auf die Zeilennummer geklickt werden um die gesamte Zeile zu markieren und es gibt ein Hilfe-Menü, welches auf das MDN verweist.
Verbesserte Unterstützung von Web-Standards
Firefox unterstützt seit Version 11 optional Googles HTTP-”Nachfolger” SPDY (sprich: “Speedy”). Mit Firefox 13 ist SPDY standardmäßig aktiviert. Die beiden CSS-Eigenschaften border-radius* sowie box-shadow müssen in Zukunft ohne Vendor-Präfix auskommen, -moz-border-radius* und -moz-box-shadow zeigen also keine Wirkung mehr. Dafür erlaubt Firefox jetzt bei background-position die Vier-Werte-Syntax (Beispiel: bottom 10px right 10px) und eine Zwei-Werte-Syntax für background-repeat (background-repeat: repeat-x, repeat-y). Auf hacks.mozilla.org gibt es wie immer mehr zur verbesserten Unterstützung von Webstandards zu lesen.
Weitere versteckte Neuerungen
Auch in dieser Version gibt es wieder Verbesserungen, welche noch deaktiviert sind und erst mit einem der nächsten Releases aktiviert werden. Die eine ist eine inkrementelle Garbage Collection, welche die Performance von Firefox weiter verbessern soll. Das Löschen nicht mehr benötiger JavaScript-Objekte dauert in Firefox relativ lange und kann zu unerwünschten Rucklern führen. Bei der inkrementellen Garbage Collection macht Firefox dies in kleineren Schritten, wodurch diese Aufräumarbeiten zwar häufiger notwendig sind, aber die Unterbrechungen verkürzt werden. Testweise aktiviert werden kann dies über den about:config-Schalter javascript.options.mem.gc_incremental, welcher auf true gesetzt werden muss.
Eine weitere versteckte Neuerung ist ein weiteres Entwickler-Werkzeug, nämlich ein JavaScript-Debugger. Weitere Details hierzu wird es von mir geben, sobald dieser final in Firefox gelandet ist. Aber auch der kann schon testweise aktiviert werden, dazu wird der Schalter devtools.debugger.enabled auf true gesetzt, genauso wie devtools.gcli.enable, um in diesem Breakpoints setzen zu können.
