Mozilla hat die erste Aurora-Version von Firefox 16 zum Download freigegeben. Firefox 16 bringt unter anderem eine native PDF-Unterstützung, Support für Web-Apps, ein Kommandozeilen-Tool und noch mehr.
Firefox kann PDF-Dateien ohne extra Plugin darstellen
Eine große Neuerung von Firefox 16 ist die Möglichkeit, PDF-Dateien ohne zusätzliches Plugin betrachten zu können. Dafür hat Mozilla dem Browser einen eigenen PDF-Renderer spendiert, welcher komplett auf HTML5 und JavaScript basiert. Seitennummer, Zoom-Faktor sowie die aktuelle Position des Dokuments können direkt als Parameter der URL übergeben werden. Zwar kann nicht immer die Qualität des Adobe-Plugins erreicht werden, aber gerade in Anbetracht der verwendeten Technologien ist das Ergebnis sehenswert. Um den eingebauten PDF-Viewer zu nutzen, kann dieser über Einstellungen > Anwendungen > Portable Document Format (PDF) > Vorschau in Firefox aktiviert werden.
Verbesserungen der Benutzeroberfläche
Die mit Sicherheit auffälligste Veränderung der Benutzeroberfläche betrifft die Liste der Seiten in der Adressleiste. Diese wurde optisch auf allen Plattformen verschönert und hebt den Suchbegriff deutlicher hervor als zuvor.
Anders sehen ab Firefox 16 auf Windows Vista/7 auch die sogenannten Doorhanger Panels aus, also jene Panels, welche beispielsweise beim Speichern von Passwörtern oder dem Setzen von Lesezeichen erscheinen. Diese besitzen keine Aero Glass-Umrandung mehr und erscheinen nun animiert. Auch die rote Hinweisleiste bei als Betrugsversuch gemeldeten Webseiten wurde auf Windows leicht verschönert.
Schließlich wurden noch ein paar Menüs aufgeräumt. So gibt es nun kein “Link senden” oder “Seite senden” mehr in den Kontextmenüs, “Bild senden”, “Video senden” und “Bild senden” heißen ab sofort “Bild per E-Mail versenden” usw. Wie in der Adressleiste bereits seit längerem der Fall, werden nun auch in den Kontextmenüs “Stopp” sowie “Neu laden” kombiniert und nur das jeweils benötigte Menüelement angezeigt. Möchte man andere Tabs über den Kontextmenü-Eintrag “Andere Tabs schließen” schließen, wird man bei mehr als zwei geöffneten Tabs vorher gefragt, ob man sich sicher ist, was die Gefahr eines versehentlichen Schließen von Tabs reduziert.
Verbesserte Entwicklerwerkzeuge
Mit Firefox 15 wurde eine standardmäßig noch deaktivierte Entwickler-Toolbar inklusive Kommandozeile zu Firefox hinzugefügt, welche ab Firefox 16 standardmäßig aktiviert ist und über das Webentwickler-Menü oder Shift + F2 aufgerufen werden kann.
Wer regelmäßig mit Kommandozeilen zu schaffen hat, wird dieses neue Feature lieben. Über einfache Befehle lassen sich verschiedene Operationen ausführen. Die Eingabe von help listet alle verfügbaren Kommandos auf, help liefert eine Hilfe zum jeweiligen Befehl. Dabei wird man bei Eingaben immer visuell unterstützt: Unbekannte Befehle werden rot unterstrichen, auf ungültige Eingaben wie Buchstaben, wo nur Zahlen erlaubt sind, wird man hingewiesen, nach Eingabe des Befehls erscheinen in einem leichten Blauton die weiteren Parameter, welche einzugeben sind, in eckigen Klammern dabei die optionalen. Lassen sich bestimmte Werte auswählen, erscheinen diese in einer Liste, welche auch über die Cursor-Tasten der Tastatur ausgewählt werden können. Auch die Maus kann zur Auswahl benutzt werden.
Dieses Feature ist nun nicht nur für alle aktiv geschaltet, es sind auch einige neue Kommandos hinzugekommen. Bisher ließen sich bereits Dinge machen wie das Verändern von Browsereinstellungen, das Schießen von Screenshots oder natürlich das Steuern der Entwicklerwerkzeuge. Nun lassen sich unter anderem auch Add-ons aktivieren respektive deaktivieren, das DOM einer Seite verändern oder Cookies setzen beziehungsweise löschen. Und noch mehr. Außerdem wird die Anzahl an Fehlern, welche in der Webkonsole angezeigt werden, in der Toolbar dargestellt.
Die Webkonsole selber ist nun standardmäßig unten und nicht länger oben positioniert, außerdem zeigt diese nun auch sogenannten Mixed Content an, also welche Elemente auf einer HTTPS-Seite lediglich eine HTTP-Verbindung nutzen.
Das JavaScript-Scratchpad hat die Möglichkeit erhalten, aus einer Liste der zuletzt geöffneten Dateien ein JavaScript-File zu öffnen.
Unterstützung von Web-Apps & verbesserte Unterstützung von Webstandards
Firefox 16 ist die minimale Version von Firefox, die zur Installation von Web-Apps benötigt wird, welche aus dem noch in diesem Jahr startenden Mozilla Marketplace heruntergeladen werden können. Diese Web-Apps sollen sich wie Desktop-Applikationen anfühlen, basieren aber komplett auf Webtechnologien wie HTML5, CSS und JavaScript. Als einer der ersten Tester gebe ich in einem Artikel einen ersten Einblick in den Mozilla Marketplace.
Mit WebRTC sollen sich Applikationen für VoIP, Chat und Videotelefonie ohne Notwendigkeit eines Browser-Plugins umsetzen lassen. Ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung ist in Firefox 16 mit der anfänglichen Implementierung des DOM-API getUserMedia getan, allerdings noch standardmäßig deaktiviert. Zur Aktivierung muss über about:config ein Boolean-Schalter mit dem Namen media.navigator.enabled angelegt und auf true gesetzt werden. Damit können Webseiten auf die Webcam oder das Mikrofon zugreifen. Getestet kann das auf dieser Demoseite werden. Ein Berechtigungs-Modell beziehungsweise eine Erlaubnis-Anfrage ist bislang noch nicht implementiert, aus diesem Grund ist der Schalter auch bislang noch versteckt.
Durch Setzen des Schalters dom.experimental_forms auf true wird der HTML5 Input-Type number unterstützt – allerdings noch ohne UI, das heißt die Felder sehen derzeit noch aus wie normale Textfelder. Auch das HTML5-Element sowie die Microdata API werden ab Firefox 16 unterstützt. HTML5-Videos ohne Audio-Spur zeigen im UI des Video-Players ein Symbol, welches dem Benutzer anzeigt, dass dieses Video ohne Ton ist. Außerdem wird der Audio-Codec Opus, welcher seit Firefox 15 optional unterstützt wird, standardmäßig unterstützt. Für IndexedDB, die beiden APIs Battery und Vibration sowie die CSS-Funktion calc() und die folgenden CSS-Eigenschaften fällt ab Firefox 16 der Vendor-Präfix -moz- weg: Animations, Transitions, Transforms und Gradients. Weitere für Webentwickler interessante Änderungen lassen sich auf hacks.mozilla.org nachlesen.
Auf freiwilliger Basis lassen sich bei der Nutzung von Firefox Telemetrie-Daten an die Mozilla-Server senden. Dabei handelt es sich um diverse Leistungsdaten wie Performance oder Speicherverbrauch während des Browserbetriebs. Ab Firefox 16 wird dabei auch die installierte Version des Adobe Flash-Plugins übermittelt, was dabei helfen soll, den Erfolg angestrebter Kampagnen gegen veraltete Plugin-Versionen zu messen, da diese einer der häufigsten Gründe für kompromittierte Systeme sind.
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Verbesserungen im Bereich Performance
Eine weitestgehend inkrementelle Garbage Collection soll die Performance von Firefox weiter verbessern. Das Löschen nicht mehr benötiger JavaScript-Objekte dauert in Firefox relativ lange und kann zu unerwünschten Rucklern führen. Bei der inkrementellen Garbage Collection macht Firefox dies in kleineren Schritten, wodurch diese Aufräumarbeiten zwar häufiger notwendig sind, aber die Unterbrechungen verkürzt werden.
Mit der sogenannten Display-list-based-invalidation gab es eine ziemlich große architektonische Änderung in der Gecko-Engine, welche eine Menge Code vereinfacht und sich gerade auf komplexen Seiten wie GMail oder Facebook positiv auf die Performance auswirken sollte.
Außerdem wurden Speicherleaks in Erweiterungen, welche die JavaScript-Bibliothek FUEL benutzen, behoben, welche unter Umständen zu außergewöhnlich langen Zeiten zum Beenden von Firefox führen konnten.
Schließlich konnte auch die Performance der in Firefox 13 neu eingeführten Seite beim Öffnen eines neuen Tabs spürbar verbessert werden.
Sonstige Verbesserungen
Zwei Änderungen gibt es beim User-Agent von Firefox. Anstelle des 2010 eingefrorenen Datums für Gecko erscheint an dieser Stelle nun die Versionsnummer, außerdem wird der Patchlevel, also die dritte Versionsstelle, nicht länger angezeigt, womit nicht mehr über den User-Agent herauslesbar ist, ob der Benutzer die neuste Sicherheitsaktualisierung installiert hat oder nicht. Aus einem Useragent wie
Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:16.0.1) Gecko/20100101 Firefox/16.0.1 würde damit
Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:16.0) Gecko/16.0 Firefox/16.0.
Aus der Liste Gespeicherter Passwörter können jetzt nicht mehr nur die Passwörter, sondern auch die Benutzernamen kopiert werden. Außerdem ist die Desktop-Version von Firefox ab sofort in der Lage, Tabs direkt erscheinen zu lassen, welche von einem Android-Gerät an das Desktop-Gerät via Sync gesendet werden. Die Seite about:memory zeigt den Speichverbrauch von Firefox nun nach Tabs aufgeteilt an, wobei jedes “top” für einen Tab steht.
Bei Nutzung mehrerer Schreibtische auf Mac OS X erscheinen neue Firefox-Fenster, welche über das Dock-Menü geöffnet werden, nun außerdem, wie man es auch von Safari gewohnt ist, auf dem aktiven Schreibtisch und nicht länger auf dem, auf welchem sich das letzte aktive Firefox-Fenster befindet.
Download & Zeitplan
Die aktuelle Aurora-Version kann hier heruntergeladen werden. Mit der ersten Beta-Version von Firefox 16 kann gegen den 30. August gerechnet werden, die finale Version soll am 09. Oktober dieses Jahres erscheinen.