Firefox: Multi-Prozess-Architektur: Mehr Ressourcen für Electrolysis (e10s)

Electrolysis, kurz: e10s, ist der Name des Mozilla-Projektes, welches Firefox um eine Multi-Prozess-Architektur erweitern soll. Dieses Projekt hat für Mozilla derzeit eine hohe Priorität und weitere Ressourcen in Form von Mitarbeitern erhalten.

Electrolysis (e10s) bringt eine Multi-Prozess-Architektur in Firefox, um die Browseroberfläche, Plugins sowie Tabs in jeweils eigenen Prozessen auszuführen. In aller Kürze zusammengefasst soll Firefox damit in erster Linie reaktionsfreudiger, in zweiter Linie stabiler sowie durch Sandboxing sicherer werden. Seit Anfang 2013 arbeitet Mozilla wieder an e10s, nachdem das Thema erstmals 2009 aufkam und das Projekt dann 2011 wieder zurückgestellt worden war.

In einem aktuellen Newsgroup-Beitrag wurde nun verkündet, dass man das Projektteam vergrößert habe, unter anderem durch Entwickler, welche zuvor an der Modern UI-Version von Firefox gearbeitet haben, deren Entwicklung bekanntermaßen eingestellt worden ist. Darum sei nun noch mehr Fortschritt bei diesem Projekt zu erwarten.

Seit Februar besitzt die Nightly-Version von Firefox einen speziellen Fenster-Modus, bei welchem einzelne Fenster in einem gesonderten Modus laufen, ähnlich wie man es mit den Privaten Fenstern kennt. In diesem Modus nutzt Firefox bereits eigene Prozesse für unterschiedliche Tabs. Bis zu einer Fertigstellung des e10s-Projektes wird aber noch einige Zeit verstreichen. Einen geplanten Termin oder offiziell angepeilte Firefox-Version für die Auslieferung dieser Neuerung gibt es noch nicht. An der Entwicklung Interessierte werden sich vor allem für die beiden Tracking Bugs e10s milestone 1: e10s browser is usable by average Nightly users sowie e10s milestone 2: e10s browser can be enabled by default in Nightly interessieren.

Firefox OS Flame: Bilder & Informationen zum Vorverkauf und Updates

Flame, das ist der Name des kommenden Firefox OS Referenz-Smartphones, welches sich an Entwickler richtet. Informationen zum Kontingent und Start des Vorverkaufs sind nun bekannt. Außerdem zeigt sich das Flame auf neuen Bildern.

Nachdem die Spezifikationen schon länger bekannt sind, gab es Ende April erste Informationen zum Hersteller und zur Verfügbarkeit des Flame. Nun ist es mir gelungen, an weitere Details zu gelangen.

Informationen zur Verfügbarkeit

Mozilla besitzt ein Kontingent von etwa 2.000 Exemplaren, welche kostenlos verteilt werden, unter anderem an das Team, Partner oder Mitwirkende, beispielsweise in Form von Programmen wie Phones for Apps, in deren Rahmen man ein Smartphone für die Entwicklung von Apps erhält. In den Verkauf sollen zunächst 5.000 Geräte gehen. Ob und in welcher Größenordnung es eine Nachproduktion geben wird, hängt von der Nachfrage ab. Das Flame wird 170 Dollar inklusive Steuern und Versand durch die DHL kosten und richtet sich ausdrücklich an Entwickler und nicht an Endkunden. Der ausgesuchte Online-Shop nennt aktuell den 27. Mai als Start des internationalen Vorverkaufs (ausgenommen Japan, aufgrund von Zertifizierungsschwierigkeiten). Die Zustellung der Geräte kann bis zu acht Wochen dauern.

Informationen zu den Updates

Für das Flame sollen drei Update-Kanäle zur Verfügung stehen: Stable, Foxtrot und Nightly. Bei den Stable Releases handelt es sich um offizielle Veröffentlichungen von Firefox OS, wie sie alle drei Monate erscheinen. Sowohl die kompletten Images als auch die FOTA-Updates werden über Thundersoft verteilt (Thundersoft und TCL bilden gemeinsam T2Mobile). Foxtrot Builds sind monatliche Updates, welche auf einer funktionierenden Nightly-Version basieren. Diese werden ebenso via Thundersoft als komplette Images sowie FOTA-Updates angeboten werden. Schließlich gibt es noch die Nightly Builds, dabei handelt es sich um tägliche Snapshots aus dem Master-Branch, welche keine besondere Qualitätssicherung durchlaufen haben. Hierfür wird Thundersoft das Basis Image bereitstellen, Gecko- und Gaia-Updates kommen von Mozilla. Gelegentlich kann es vorkommen, dass die Installation eines neues Basis Image notwendig ist. Für die Downloads der Images wird Thundersoft eine Downloadseite bereitstellen, ähnlich wie man sie von Geeksphone kennt. Thundersoft hat sich zu mindestens einem Jahr Updates auf allen drei Kanälen verpflichtet. Ausgeliefert wird das Gerät mit Firefox OS 1.3.

Bilder vom Flame

Spezifikationen des Gerätes

Die Ausstattung des Gerätes ist bereits bekannt. Angetrieben wird das Flame von einer Qualcomm Snapdragon 200 (MSM8210) CPU. Dabei handelt es sich um einen ARM Cortex A7 Dual Core-Prozessor mit 1.2 GHz und Adreno 302 GPU. Das Gerät besitzt 1 GB RAM, wird außerdem aber eine Einstellung besitzen, um den verfügbaren Arbeitsspeicher bis runter auf 256 MB zu reduzieren, um sowohl Geräte mit viel als auch mit wenig RAM testen zu können.

Zur weiteren Ausstattung gehören ein 4,5 Zoll-Display mit FWVGA-Auflösung (480 × 854 Pixel), eine 5 Megapixel-Kamera auf der Rückseite sowie eine Frontkamera mit 2 Megapixel Auflösung. Als interner Speicher sind 8 GB verbaut. Eine weitere Besonderheit des Flame ist, dass dieses NFC unterstützt sowie Dual-SIM-Unterstützung bietet. Die Kapazität des Akkus beträgt 1.800 mAh, der Akku ist austauschbar. Dazu kommen WiFi 802.11 b/g/n, Bluetooth, MicroUSB und A-GPS. Unterstützt werden die UMTS-Frequenzen 850 / 900 / 1900 / 2100 MHz.

Firefox Mobile für Android ermöglicht schnelles Wechseln der Sprache

Firefox Mobile ist genauso wie Firefox für den Desktop in zahlreiche Sprachen übersetzt. Auf Android-Geräten erscheint Firefox dabei in der Sprache, welche als Systemsprache von Android eingestellt ist. Ab Firefox Mobile 32 kann bequem über die Einstellungen von Firefox die Sprache geändert werden und das ohne dass dazu ein Neustart von Firefox notwendig wäre.

Mozilla liefert Firefox Mobile für Android mit vielen Sprachen inklusive aus. Die Sprache war bislang allerdings an die Systemsprache von Android gekoppelt: Mit anderen Worten: Damit Mozillas Browser eine deutschsprachige Oberfläche anzeigt, muss dazu Android auf Deutsch eingestellt sein. Dies betrifft sowohl die Sprache des Browsers selbst als auch die Sprache, in welcher Webinhalte bevorzugt angezeigt werden sollen.

Ab Firefox Mobile 32 für Android kann die Sprache der Browseroberfläche ganz bequem über die Einstellungen von Firefox geändert werden. Die Änderung der Sprache wird sofort ohne Browserneustart übernommen. Die Sprache der Browseroberfläche werden wahrscheinlich die wenigsten regelmäßig ändern wollen. Der größte Vorteil ergibt sich daraus für diejenigen, welche Firefox in einer Sprache nutzen wollen, in welche Firefox übersetzt, aber nicht auf dem jeweiligen Android-Gerät verfügbar ist. Aber auch für weitere Übersetzungen, die es bislang noch nicht gibt, öffnet das die Türen. Derzeit wird Firefox Mobile für Android in 49 Sprachen ausgeliefert.

In Zukunft soll man nicht nur die Sprache der Browseroberfläche ändern können, sondern wie schon seit Jahren in der Desktop-Version möglich die bevorzugten Sprachen für Webinhalte. Entsprechendes befindet sich allerdings noch in der Entwicklung und ist wahrscheinlich noch nicht Teil von Firefox Mobile 32 für Android.

Firefox 32: Einstellungen im Tab standardmäßig aktiviert

Die Einstellungen von Firefox werden künftig in einem Tab und nicht länger als Dialog angezeigt. Firefox besitzt hierfür schon lange einen Schalter zum Umstellen, mit Firefox 31 wurde das Design verbessert, mit Firefox 32 werden die neuen Einstellungen standardmäßig aktiviert.

Die Einstellungen im Tab von Firefox besitzen seit Firefox 31 ein neues Design. Mozilla hat die neuen Einstellungen nun zum Standard für Firefox 32 und höher gemacht. Ab Firefox 32 öffnen sich die Einstellungen also nicht mehr länger in Form eines Dialogfensters.

Die neuen Einstellungen haben seit der Implementierung des neuen Designs noch weitere Detailverbesserungen erhalten und werden auch noch den einen oder anderen kleineren Feinschliff bis zur Veröffentlichung in der finalen Version von Firefox 32 erhalten. Generell plant Mozilla mehr Einheitlichkeit im Design des eigenen Produkts. So soll auch der Add-on Manager an das neue Design angepasst werden, entsprechendes befindet sich aktuell in der Planungsphase.

Mozilla kündigt Unterstützung von Encrypted Media Extensions an

Encrypted Media Extensions, kurz EME, dies ist der Name einer von Google, Microsoft und Netflix entworfenen Technologie, um verschlüsselte Medieninhalte über HTML5 wiederzugeben. Anders formuliert: EME bringt Digital Rights Management (DRM) in den Browser, quasi der Kopierschutz für das Web. Mozilla hat sich bislang gegen DRM als Teil von HTML positioniert, beugt sich nun aber dem Druck der Mehrheit: Mozilla wird EME in Firefox unterstützen und setzt dabei auf das Content Decryption Module von Adobe.

Digital Rights Management und Open Web, dies passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Darum war auch Mozilla bis zuletzt naheliegenderweise alles andere als ein großer Unterstützer von EME. Auf der anderen Seite ist auch der Wunsch der Medienindustrie verständlich, Content schützen zu können. Man kann darüber streiten, ob DRM wirklich der richtige Weg ist, ist doch bereits die Musikindustrie kläglich mit DRM gescheitert, oder ob die von Mozilla vorgeschlagene Alternative Watermarking nicht der bessere Ansatz wäre. Fest steht: Es benötigt auch in einem offenen Web Möglichkeiten für Rechteinhaber, die eigenen Werke zu schützen, andernfalls wird HTML5 nie eine Alternative zu Technologien wie Flash oder Silverlight für Hollywood, Disney & Co. sein, und sich HTML5 letztlich nie komplett durchsetzen.

Die Unterstützung von EME ist eine Entscheidung, welche Mozilla nicht leicht gefallen ist und auch nicht gerade mit großer Euphorie angekündigt worden ist. Letztlich ist die Situation, dass die Medienindustrie DRM möchte und die anderen Browserhersteller EME implementieren werden. Der Internet Explorer und Chrome sowieso, waren Microsoft und Google doch direkt am Entwurf von EME beteiligt, aber auch Safari von Apple sowie Opera werden EME unterstützen. Der Nutzer möchte seinen Lieblings-Content im Web sehen und wenn er dies mit jedem Browser außer Firefox kann, dann wird er eben nicht länger Firefox nutzen. Anders als noch vor einigen Jahren haben wir mittlerweile den Luxus, dass Nutzer jeden Browser benutzen können, ohne dass ihnen dadurch große Nachteile entstehen. Dies ist vor allem Mozilla zu verdanken, hat aber eben auch zur Folge, dass Nutzer sehr schnell bei einem anderen Browser sind, wenn ein Browser nicht das bietet, was der Nutzer von seinem Browser erwartet.

Mozilla hat sich für die Implementierung für das Adobe Content Decryption Module (CDM) entschieden. Dieses steht jedoch unter einer proprietären Lizenz und ist kein Open Source, um so besser vor einer Aushebelung des Kopierschutzes geschützt zu sein, was auch Mozilla nicht besonders toll findet, aber nun einmal so ist. Daher wird das CDM in einer Open Source Sandbox ausgeführt werden und ausschließlich über diese Sandbox mit Firefox kommunizieren können. Das CDM erhält auf diese Weise keinen Zugriff auf den Rechner des Nutzers und es wird auch keine eindeutige ID des Browsers benötigt. Zwar generiert auch die Sandbox eine eindeutige ID, gibt aber keinerlei zusätzliche Informationen über den Nutzer preis. Diese ID wird in Firefox außerdem auf jeder Seite unterschiedlich sein, um es schwieriger zu machen, Nutzer über diese ID zu verfolgen. Mozilla wird das CDM zudem nicht direkt mit Firefox ausliefern, der Nutzer muss dieses bei Bedarf von den Adobe-Servern herunterladen und installieren.

Kommentar-Teil

Auch wenn Mozilla also selbst alles andere als glücklich mit dieser Entscheidung ist, so ist es doch eine Entscheidung für die Nutzer, welche – verständlicherweise – auch mit Firefox einfach nur Zugriff auf den Content ihrer Wahl haben wollen. Und der Kampf um bessere Alternativen ist damit auch nicht verloren: Die Musikindustrie musste bereits lernen, dass DRM in der Praxis nicht funktioniert. Ehrliche Nutzer, welche rechtmäßig Content erwerben, lassen sich für gewöhnlich nämlich nicht gerne wie ein krimineller Raubkopierer behandeln und sich in den Rechten einschränken. Möglicherweise benötigt die Filmindustrie erst ähnliche Erfahrungen, um den selben Lernfortschritt zu erzielen. Mozilla wird weiterhin seinen Teil dazu beitragen, Standards zu finden und so vielleicht auch eine Alternative zu DRM in der Zukunft.

Leider gibt es auch bei diesem Thema wieder ein paar besonders Schlaue, welche dies als vermeintlich berechtigten Anlass sehen, Firefox den Rücken zu kehren, ironischerweise dann aber ausgerechnet zu einem Browser wechseln wollen, dessen Hersteller EME überhaupt erst mit entworfen hat. Zudem gibt es DRM bereits seit Jahren im Browser, und zwar über Flash oder Silverlight. Plugins haben allerdings keine Zukunft, weder in Firefox noch in Chrome, insofern wird DRM in HTML5 schon sehr bald sehr relevant sein. Mozilla ist aber der einzige Browserhersteller, bei dem tatsächlich der Nutzer und nicht der Gewinn an erster Stelle steht. Auch nach dieser Entscheidung gilt, oder besser: gilt ganz besonders, dass gerade die Nutzer, welche gegen DRM als Teil der Webplattform sind, auf Mozilla und Firefox setzen müssen, denn Mozilla ist der einzige Browserhersteller, welcher gegen EME war. Um etwas bewegen zu können, braucht Mozilla aber vor allem eines: Nutzer. Denn letztlich entscheidet der Anteil am Markt darüber, wie wichtig man für den Markt und damit wie relevant die eigene Position ist. Insofern sind Browserwechsel in dieser Sache nur eines: kontraproduktiv, damit unterstützt man nur diejenigen, denen es überhaupt zu verdanken ist, dass Mozilla nun EME unterstützen muss, um weiterhin relevant zu bleiben.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem sei die Ankündigung von Andreas Gal sowie dieser Beitrag als ergänzende Literatur empfohlen.

Neues HTTP Cache-Backend in Firefox Nightly aktiviert

Mozilla arbeitet bereits seit über einem Jahr an einem neuen HTTP Cache-Backend für Firefox. Dieses ist nun für Nutzer der Nightly-Versionen von Firefox standardmäßig aktiviert.

Im Juli vergangenen Jahres habe ich erstmals über das neue Cache-Backend von Firefox geschrieben. Dieses soll den HTTP-Cache robuster und auch schneller machen. Damals hatten erste Benchmarks bereits vielversprechende Resultate von der Performance-Seite her gezeigt, wenn das neue Cache-Backend auch noch in Einzelfällen langsamer war. Seit dem ist viel Zeit vergangen und die Entwicklung mittlerweile so weit vorangeschritten, dass es nun standardmäßig in den Nightly Builds von Firefox aktiviert ist. Sollte das neue Cache-Backend den regulären Weg ohne Sonderrunden in den Entwicklerversionen gehen, dann wird dieses Bestandteil von Firefox 32 sein.

Wer Probleme mit dem neuen Cache-Backend hat, der kann über about:config zum alten Cache-Backend wechseln, dazu muss nur der Schalter browser.cache.use_new_backend_temp per Doppelklick von true auf false geschaltet werden. Ein anschließender Neustart des Browsers ist erforderlich. Notwendig kann dies zum Beispiel für Nutzer von Google Drive sein. In meinen Tests funktioniert das Öffnen von Dokumenten in Google Drive derzeit leider nicht mit dem neuen Cache-Backend, stattdessen erfolgt immer eine Weiterleitung auf eine Hilfeseite von Google über Caching. Ein entsprechender Fehlerbericht wurde den Entwicklern bereits übermittelt.

Update: Ein Workaround für das Google Drive-Problem ist es, browser.cache.disk.preload_chunk_count über about:config auf 0 zu setzen, dann funktioniert Google Drive auch mit dem neuen Cache-Backend. Das Problem wurde bereits von Mozilla bestätigt und man arbeitet an einer Lösung.

Update 20.05.2014: Der Workaround ist nicht länger notwendig, das Problem (welches unter anderem auch Google Mail und YouTube betroffen hatte) ist behoben. Hier gibt es Messwerte zum neuen Cache-Backend.

Fünfter großer Netzbetreiber startet Verkauf von Firefox OS Smartphones

Die Zahl der Netzbetreiber, welche Firefox OS – Mozillas Betriebssystem für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets – unterstützen, wächst. Nun hat auch América Móvil den Verkauf erster Geräte gestartet.

Bisher gab es vier große Netzbetreiber, welche Smartphones mit Firefox OS in bislang 15 Ländern vertreiben: Die Deutsche Telekom, Telefónica, Telenor sowie Telecom Italia. Mit dem in Mexiko sitzenden América Móvil kommt nun die Nummer 5 hinzu, welche eben dort auch mit dem Verkauf des Alcatel One Touch Fire über die eigene Marke Telcel starten. Firefox OS ist in Mexiko bereits seit November über die Telefónica-Marke Movistar zu haben. América Móvil ist der größte Mobilfunkanbieter in Lateinamerika.

Der Weg zu Australis

Australis

Dies ist ein Gastbeitrag von Philipp Sackl.

Vor wenigen Wochen haben wir Firefox 29 veröffentlicht. Hunderte Millionen von Menschen nutzen ihn mittlerweile jeden Tag. Sie alle sehen deutliche Veränderungen im Vergleich zu vorher. Denn Ein großer Teil von Firefox 29 ist ein Projekt, das intern seit einigen Jahren unter dem Namen Australis bekannt ist. Und das ist nicht mehr und nicht weniger als die größte Interface-Überarbeitung seit 2011.

Ursprünglich entstand Australis als Nachfolgeprojekt zu Firefox 4. Damals schafften es nicht alle Designdetails in die Release-Version und das Interface hatte noch einige raue Kanten, die ausgebessert werden wollten. Allerdings wurde aus dem Kosmetik-Projekt schnell etwas wesentlich Größeres. Das zentrale Thema dabei: die Anpassungsfähigkeit des Browsers.

Firefox war unter den Webbrowsern schon immer der mit den weitreichendsten Anpassungsmöglichkeiten. Diese basierten vor allem darauf, dass Add-ons praktisch jeden Aspekt von Firefox nach Belieben verändern konnten. Wenn es allerdings darum ging die vorhandenen Elemente im Interface selbst neu zu ordnen, taten sich einige Lücken auf: die Möglichkeit UI Elemente zu verschieben war so versteckt, dass nur sehr wenige Nutzer sie fanden. Außerdem waren viele Funktionen an das Menü gebunden und dieses war nicht anpassbar.

Der erste Schritt war daher die Einführung des neuen Hauptmenüs. Im Gegensatz zum alten Firefox-Menü ist nun auch dieser Teil des UI frei anpassbar. Dadurch entsteht ein völlig neuer Raum für Funktionen und Add-ons, die dem Nutzer zwar wichtig sind, die er aber nicht notwendigerweise jederzeit im Blick haben möchte. Eine weitere wichtige Neuerung in diesem Menü ist der prominente »Anpassen«-Button. Damit gibt es zum ersten Mal in Firefox einen weithin sichtbaren Pfad zur Anpassung der Oberfläche an die eigenen Bedürfnisse.

Dies führt unweigerlich dazu, dass auch technisch weniger versierte Nutzer beginnen ihren Browser anzupassen. Während das an und für sich eine großartige Sache ist, bringt es auch neue Herausforderungen mit sich. Es durfte nicht möglich sein, sich durch (möglicherweise unabsichtliche) Anpassungen den Weg zurück zu verbauen oder die Kernfunktionalität des Browsers zu entfernen. Aus diesem Grund sind die URL-Leiste und der Anpassen-Button nicht verschiebbar. Wem dieser Grad der Anpassbarkeit zu wenig ist, der kann nach wie vor zu Add-ons greifen. Diese haben weiterhin volle Kontrolle über den Browser und bieten Funktionen vom Hinzufügen einer Add-on-Leiste bis hin zum vollständigen Wiederherstellen des Firefox 4 Themes.

Während der Anpassungsmodus sicher die größte Neuerung ist, gibt es natürlich noch viele andere sichtbare und versteckte Verbesserungen. Die Tab- und Titelleisten wurden zusammengeführt und verbrauchen dadurch weniger Platz, nicht aktive Tabs treten in den Hintergrund und der Lesezeichen-Stern zeigt mit einer Animation an, wo man das Lesezeichen später wieder finden kann. Und all das wird abgerundet durch deutliche Geschwindigkeitsverbesserungen in allen Bereichen.

Mit all diesen Verbesserungen beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte von Firefox. Sören hat hier bereits eine sehr gute Zusammenfassung von möglichen weiteren Neuerungen gepostet, die auf Australis basieren. Es war nie spannender Teil dieses Projekts zu sein als heute.

Philipp Sackl ist Senior Interaction Designer bei Mozilla und hat in den letzten sechs Monaten am Australis-Projekt mitgearbeitet. Außerdem ist er der Kurator der push.conference und Dozent an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Philipp lebt und arbeitet in München.

Mehr zu Australis und Firefox 29 (englisch):
- (Re)Designing Firefox von Stephen Horlander
- The new face of Firefox von Madhava Enros
- Firefox and Flux: A New, Beautiful Browser is Coming von Jennifer Morrow

Firefox: Mozilla ändert Update-Routine für Nutzer alter Versionen

Rund zwei Prozent aller Firefox-Nutzer hängen auf veralteten Firefox-Versionen fest. Dies ist ein Problem, vor allem aus Gründen der Sicherheit. Darum wird Mozilla die Update-Routine für Nutzer alter Firefox-Versionen ändern, um diesen Anteil zu verkleinern.

Mozilla veröffentlicht spätestens alle sechs Wochen eine neue Firefox-Version, welche Sicherheitslücken schließt. Alleine dies ist schon Grund genug, dass jeder stets die aktuellste Firefox-Version nutzen sollte. Auch darüber hinaus bietet die Nutzung aktueller Firefox-Versionen große Vorteile, beispielsweise wenn es um die Unterstützung von Webstandards geht, denn letzten Endes müssen Webentwickler davon ausgehen können, dass die Browser der Nutzer aktuelle Standards unterstützen, so dass eine Nicht-Unterstützung durch den Browser eines Nutzers zu einer eingeschränkten Benutzbarkeit von Webseiten für eben jenen Nutzer führen kann. Aber ganz egal, welche Vorteile eine neue Version auch bietet, die Vorteile nützen nichts, wenn der Nutzer das Update nicht erhält. Durch eine Kombination aus Update-Pings, Blocklist-Pings und FHR hat man nun herausgefunden, dass ganze zwei Prozent der Firefox-Profile auf veralteten Firefox-Versionen festhängen. Was bei der Anzahl an Firefox-Nutzern eine beachtliche absolute Zahl ergibt. Besonders häufig vertreten sind dabei Firefox 3.6 und Firefox 12.

Mozilla möchte das ändern, die Nutzereinstellung, ob Automatische Updates deaktiviert worden sind, dabei allerdings berücksichtigen. Mozilla wird also auch weiterhin keine Firefox-Installationen entgegen des ausdrücklichen Wunschs der Nutzer aktualisieren. Ohnehin sei bei Nutzern, welche die automatischen Updates deaktiviert haben, die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie sowieso eine aktuelle Firefox-Version nutzen. Mozilla möchte das Problem auf zwei Wegen lösen.

Der erste Weg betrifft Nutzer von Firefox 3.6 und noch älter. Mozilla plant, Nutzern dieser Versionen neue Firefox-Versionen künftig nicht mehr als Major-Update, sondern als Minor-Update anzubieten, so als würde es sich dabei um eine Version mit Versionsänderung an dritter Stelle handeln. So wird beim Update nicht das Update-Billboard (siehe Screenshot) angezeigt. Auch die sichtbare Kompatibilitätsprüfung für Add-ons soll deaktiviert werden, inkompatible Add-ons werden dann einfach deaktiviert.

Weg Nummer zwei betrifft Nutzer von Firefox 11 – denn ab dieser Version kann Mozilla Hotfixes über das Add-on System von Firefox ausliefern – bis Firefox 26, ausgeschlossen Nutzer von Firefox ESR 24. Der Plan ist es, ein Hotfix Add-on an Nutzer nicht mehr unterstützter Firefox-Versionen auszuliefern. Dieses Hotfix Add-on soll die Nutzer darüber informieren, dass ihre Firefox-Installation nicht aktuell ist, und auf Wunsch das Installationspaket von Firefox herunterladen und Firefox dann neu installieren, das mit möglichst wenigen Klicks durch den Nutzer. Mozilla nutzt hierfür also nicht das Update-System, da davon ausgegangen wird, dass diese Nutzer nicht wunschgemäß auf diesen alten Versionen festsitzen und entsprechend beim Update-Prozess etwas schief läuft. Mozillas Snippet-Umfragen in älteren Firefox-Versionen bestätigen, dass 50 bis 70 Prozent dieser Nutzer gar nicht wissen, dass sie alte Versionen einsetzen und gerne auf dem neusten Stand wären. Das Hotfix Add-on soll aus diesem Grund dem Nutzer auch die Möglichkeit geben, anonymisierte Update-Logs zur Analyse an Mozilla zu übertragen, damit diese Erkenntnisse über die Ursachen der fehlgeschlagenen Updates gewinnen können. Auch FHR soll mehr Informationen zu den Updates liefern. Nutzer haben die Möglichkeit, das Update abzulehnen, sollen aber regelmäßig daran erinnert werden, dass ihr Firefox nicht aktuell ist. Nutzer, welche automatische Updates deaktiviert haben, erhalten auch keine Hinweise.

Mozilla plant diese Änderungen mit oder kurz nach der Veröffentlichung von Firefox 30 einzuführen, zunächst nur für Nutzer von Windows und nur für die wichtigsten Sprachen. Je nach Erfolg dieser Maßnahmen und User-Feedback wird man das dann möglicherweise ausweiten. In diesem Fall ist es dann nicht unwahrscheinlich, dass Mozilla direkt in Firefox ein System hierfür integrieren wird.

Mozilla Loop: Echtzeitkommunikation in Firefox (inklusive Mockups)

Loop ist der interne Name eines Projektes bei Mozilla, welches das Ziel hat, Echtzeitkommunikation in den Browser zu bringen. Neue Mockups zeigen nun, wie das Minimum Viable Product aussehen soll.

Die Idee, Echtzeitkommunikation in den Browser zu bringen ist nicht neu. Bereits seit letztem Jahr arbeitet Mozilla unter dem Projektnamen Talkilla daran. Auch wenn sich der Name mittlerweile in Loop geändert hat, so hat sich nichts daran geändert, dass es sich dabei um einen internen Projektnamen handelt, welcher nicht das fertige Produkt bezeichnet. Der Funktionsumfang wird in der ersten Version deutlich reduziert sein, beschränkt man sich für das Minimum Viable Product zunächst auf Audio- und Videounterhaltungen, ohne Partnerschaften mit anderen Anbietern, wonach es bei Talkilla noch aussah. Dafür ist das Core-Team im Vergleich zu Talkilla deutlich gewachsen.

Loop soll grundsätzlich unabhängig vom Browser und Gerät funktionieren, solange dieses WebRTC unterstützt, in bestehende Mozilla-Produkte dafür besonders integriert werden. Konkret arbeitet man an einer Integration in den Desktop-Firefox sowie an einer Anwendung für Firefox OS 2 und neuer. Die Idee ist es, direkt in den Mozilla-Produkten eine entsprechende Oberfläche anzubieten, Nutzern anderer Browser die Kommunikation stattdessen über eine Webseite zu ermöglichen. Mozilla beschreibt im eigenen Wiki die Loop Desktop-Anwendung für Firefox als “wie Skype, aber in den Browser integriert”, die Mobile-Anwendung als “wie Facetime für Firefox OS-Geräte”.

Die Einladung zu einer Unterhaltung erfolgt dabei über die Weitergabe eines eindeutigen Links, dessen Gültigkeitsdauer der einladende Nutzer einstellen kann. Dafür ist keine Anmeldung notwendig. Alternativ kann sich der Nutzer aber auch in seinen Firefox Account (mit Firefox 29 und dem neuen Sync eingeführt) anmelden und dann ein Adressbuch mit Kontakten verwalten. Video-Fenster können im aktuellen Tab angedockt oder als eigenes Fenster losgelöst werden. In beiden Fällen kann der Nutzer seinen Browser weiter wie gewohnt nutzen, ohne dass die Gespräche dadurch unterbrochen werden. In späteren Versionen sollen dann weitere Features wie Textversand, Filesharing und Co-Browsing folgen. Mockups zeigen, wie das Minimum Viable Product  aussehen kann.

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