Mozilla hat die erste Aurora-Version von Firefox 18 zum Download freigegeben, welche wieder viele Neuerungen bringt. Was genau wir vom neuen Firefox erwarten können dürfen, wird an dieser Stelle beschrieben.
Veränderungen der Benutzeroberfläche
Die wichtigste Veränderung der Benutzeroberfläche betrifft Nutzer von Apple-Hardware. Firefox 18 bringt Unterstützung für Retina-Displays, welche eine besonders hohe Pixeldichte besitzen. Bislang wirkte Firefox auf diesen Bildschirmen sehr verpixelt.
Eine weitere Änderung, welche Mac-User betrifft, sind Benachrichtigungen über Growl. Diese gibt es ab Firefox 18 nicht mehr. Zumindest für Nutzer von Mac OS X 10.8 gibt es mit der Mitteilungszentrale seit Firefox 17 Ersatz. Die Google-Suche verwendet nun Googles neues Favicon und beim Anpinnen von Tabs wird nicht länger von App Tabs gesprochen, sondern nur noch vom Anpinnen als Tab.
Beim Hinzufügen von Lesezeichen über das Stern-Symbol, beim Speichern von Passwörtern oder anderen Aktionen erscheint ein sogenanntes Doorhanger-Panel. Wurde noch kein Sync-Account eingerichtet, erscheinen in diesen Hinweise auf Mozillas Synchronisations-Feature – welche sich auch dauerhaft ausblenden lassen. Nachdem Sync mittlerweile auch Erweiterungen zwischen verschiedenen Desktop-Geräten synchronisieren kann, erscheint ein solcher Hinweis nun auch im Doorhanger-Panel nach der Installation einer Erweiterung.
Diverse Verbesserungen in Firefox 18
Der standardmäßig noch deaktivierte integrierte Betrachter für PDF-Dateien wurde um eine Druckfunktion erweitert. Neue Sprachpakete können ab sofort ohne Neustart des Browsers installiert werden. Die Qualität von skalierten Bildern ist auf Windows und Linux ab Firefox 18 deutlich besser als bisher und entspricht der aus Chrome bekannten Qualität. Nutzer von Mac OS X hatten bereits zuvor eine hochqualitative Bild-Skalierung.
Bildquelle: imgur.com
Der Hintergrund der Anzeige transparenter Grafiken wurde wieder einmal leicht verändert und hat nun einen leichten Noise-Effekt wie auch der restliche dunkle Hintergrund, so dass Bilder mit transparentem Hintergrund zumindest nicht mehr ganz so aussehen, als wären sie mit weißem Hintergrund abgespeichert worden. Auf Systemen mit höher eingesteller DPI-Zahl hat Firefox den Inhalt der Webseite bislang identisch wie mit standardmäßiger DPI-Zahl dargestellt. Mit Firefox 18 skaliert Firefox den Inhalt der Webseite entsprechend. Die Startseite wird mit dem Update auf Firefox 18 automatisch auf about:home für die Nutzer umgestellt, welche sie irgendwann in der Vergangenheit zu google.com/firefox umgestellt hatten.
Mit einer versteckten Neuerungen ist es nun außerdem möglich, das Senden unsicherer Anfragen via HTTP in einem sicheren Kontext (HTTPS) zu verhindern, was auch als Mixed Content bezeichnet wird (Testseite). Hierfür mus über about:config der Schalter security.mixed_content.block_active_content auf true gesetzt werden. Schließlich wurden die Cookie-Einstellungen auf der Seite about:permissions um eine Einstellung für 3rd-Party-Cookies erweitert.
Schnellere JavaScript-Engine und andere Verbesserungen an Performance & Speicherverbrauch
Mozilla hat nach mehr als einem Jahr Arbeit einen neuen Just-in-Time-Compiler (JIT) IonMonkey in Firefox implementiert und damit die JavaScript-Engine beschleunigt. Mozilla-Entwickler David Anderson hat mit IonMonkey einen Geschwindigkeitsvorteil von 26% gegenüber Firefox 17 in Mozillas Kraken-Benchmark festgestellt, in Googles v8-Benchmark soll die JavaScript-Engine 7% schneller als in Firefox 17 und 20% schneller als in Firefox 15 sein.
Die Startgeschwindigkeit von Firefox mit installiertem Personas-Theme möchte man um etwa 10% verbessert haben, außerdem soll keine unnötige Zertifikats-Validierung signierter Add-ons mehr bei Programmstart durchgeführt werden, was den Programmstart bei Installation bestimmter Add-ons ebenfalls beschleunigen soll. Weitere Performance-Verbesserungen gab es unter anderem bei Wechseln zwischen verschiedenen Tabs oder auf Webseiten, welche besonders viele CSS Gradients einsetzen.
Auch den Speicherbedarf von Firefox möchte man unter bestimmten Umständen weiter optimiert haben, so zum Beispiel bei noch nicht wiederhergestellten Tabs, bei Seiten mit einer Menge HTML- und CSS-Fehlern bei geschlossener Konsole oder bei der Verwendung von Inline-Styles auf Webseiten.
Auf Mac OS X wird der Cache nicht länger von Spotlight indexiert. Dies konnte sich teilweise deutlich spürbar auf die Performance des Systems auswirken.
Durch einen A/B-Test in der Entwicklungsphase möchte man zudem eine weitere Änderung testen. So soll nach Browserstart für die jeweils ersten zehn Minuten das HTTP-Pipelining aktiviert und dann von Firefox wieder auf die ursprüngliche Einstellung zurückgesetzt werden. Via Telemetrie-Infrastruktur möchte Mozilla damit feststellen, ob HTTP-Pipelining signifikate Performance-Verbesserungen bringt.
Erste Unterstützung für WebRTC und weiterer Ausbau der Unterstützung von Webstandards
Firefox 18 wird erstmalige Unterstützung für WebRTC anbieten, zunächst noch hinter einer Einstellung versteckt. WebRTC steht für Web Real-Time Communication und soll Voice over IP, Chat und auch Videotelefonie über den Browser ermöglichen – ganz ohne Plugin. Zur Aktivierung muss der Schalter media.peerconnection.enabled über about:config auf true gesetzt werden, getestet kann auf dieser Testseite werden.
Ebenfalls hinter einer Einstellung zunächst versteckt ist die Unterstützung für flexible Boxen in CSS (“flex”). Zur Aktivierung muss der Schalter layout.css.flexbox.enabled auf true gesetzt werden.
Firefox 18 unterstützt die @supports-Regel, über welche der Browser gefragt werden kann, ob er eine bestimmte CSS-Deklaration versteht, und entsprechend hierauf reagieren kann.
Weitere nennenswerte Web-Features, welche ab Firefox 18 unterstützt werden, sind die DOM-Eigenschaft window.devicePixelRatio, die Unterstützung von W3C Touch-Events sowie das reversed-Attribut für das
-Element.
Neuerungen für Webentwickler
Auch für Webentwickler gibt es wieder interessante Neuerungen. Die interessanteste versteckt sich allerdings noch hinter einer Einstellung. Nach dem Umstellen von devtools.inspector.markupPreview auf true zeigt die HTML-Ansicht eine Vorschau des Quelltextes auf der rechten Seite, wie man es vom Editor Sublime Text kennt.
Wie der Screenshot ebenfalls zeigt, wurden die Entwicklerwerkzeuge teilweise auf ein helles Theme umgestellt. Weitere schöne Neuerungen hat der Responsive Design-Modus erhalten, welcher es nun erlaubt, benutzerdefinierte Auflösungen als Voreinstellung zu speichern und die nativen Scroll-Leisten durch welche ersetzt hat, wie sie auf Mobilgeräten typisch sind. Das Screenshot-Kommando der Kommandozeile (Shift + F2) hat neue Optionen erhalten, um die Browseroberfläche mit abzubilden oder den Screenshot direkt in der Zwischenablage und nicht als Datei abzuspeichern, außerdem wird nun eine Vorschau des Bildes nach Aufnahme des Screenshots angezeigt, nach deren Klick man bei der Datei landet.
Das JavaScript-Scratchpad (Shift + F4) hat unter Mac OS X jetzt einen Button für den nativen Vollbildmodus. Ein Rechtsklick auf Links in der Konsole zeigt nun Einträge, um den Link zu kopieren oder in einem neuen Tab zu öffnen. Der Eintrag für die alte Fehlerkonsole wurde aus dem Menü standardmäßig entfernt. Neben weiteren kleinen optischen Verbesserungen wie dem Hinzufügen von Hover-Status bei den Buttons wird in der Regeln-Ansicht im Stil-Panel nun der CSS-Selector hervorgehoben, dessen Regel wirksam ist.
Download & Zeitplan
Die aktuelle Aurora-Version kann hier heruntergeladen werden. Mit der ersten Beta-Version von Firefox 18 kann gegen den 22. November gerechnet werden, die finale Version soll am 08. Januar des kommenden Jahres erscheinen.